
Pikosekunden-Laser für die Tattooentfernung

Pikosekunden- vs. Nanosekunden-Laser bei der Tattooentfernung

Pikosekunden-Laser für die Tattooentfernung

Pikosekunden- vs. Nanosekunden-Laser bei der Tattooentfernung
Die moderne Tattoo- und Pigmententfernung basiert nicht mehr auf reiner Energieabgabe wie wir sie von der Photothermolye her kennen, sondern auf präziser Steuerung der Wechselwirkung zwischen Laserimpuls und Pigmentpartikel.
Während klassische Q-switched Nano-Laser primär über thermische Effekte wirken, belegt die Arbeit von Kasai (von 2017), dass Pikosekunden-Laser einen fundamentalen physikalischen Vorteil besitzen.
Ihre ultrakurze Impulsdauer liegt innerhalb der Stress Relaxation Time (SRT) der Pigmente und somit weit unter der Thermal Relaxation Time (TRT).
Dadurch wird das in der Haut eingelagerte Tattoo-Pigment nicht mehr primär erhitzt, sondern mechanisch mit photoakustischem Effekt fragmentiert.
Dieser Unterschied ist nicht graduell, sondern prinzipiell. Wenn es ein "echter Pico-Laser" ist!
Stress Relaxation Time (SRT) statt TRT - Die Kernaussage von Kasai

Dr. Kenichiro Kasai ist Facharzt für Plastische Chirurgie und Laser-Medizin sowie Ausbilder der Japanischen Gesellschaft für Lasermedizin und -chirurgie.
In Japan genießt er hohes Ansehen als Pionier der Ästhetischen Medizin und führender Experte für Laserbehandlungen.
Er beschreibt, dass bei Nanosekunden Lasern die Pulsdauer meist oberhalb der SRT liegt und damit ein wesentlicher Anteil der Energie als Wärme in das Pigment und das umliegende Gewebe abgegeben wird.
Die Zerstörung des Pigments erfolgt überwiegend über thermische Expansion und sekundäre Fragmentierung.
Ultrakurze Pico-Impulse unterschreiten die mit der Stress Relaxation Time die Thermal Relaxation Time und erzeugen eine dominante photoakustische Druckwelle.
Das Pigment wird nicht primär erhitzt, sondern physikalisch gesprengt.
Diese mechanische Fragmentierung ist effizienter, homogener und biologisch besser verwertbar.
Pigmentzertrümmerung: Relevanz für den biologischen Abtransport
Die klinische Wirksamkeit einer Laserbehandlung hängt nicht nur davon ab, ob ein Tattoo-Pigment zerbrochen wird, sondern in welche Partikelgröße.
Nano-Laser erzeugen häufig größere Pigmentfragmente, die nur langsam phagozytiert werden und länger im Gewebe persistieren.
Pico-Laser erzeugen signifikant kleinere Fragmente, die von Makrophagen effizienter aufgenommen und so rascher über das lymphatische System abtransportiert werden.
Die sichtbare Aufhellung erfolgt schneller und die Notwendigkeit zahlreicher Behandlungswiederholungen reduziert sich messbar.
Immunologische Elimination nach der Laserfragmentierung
Nach der mechanischen Zertrümmerung der Pigmentpartikel beginnt der biologische Abbau. Die gelaserten Fragmente liegen zunächst zwischen den Zellen im Bindegewebe der Dermis (mittlere Hautschicht).
Sie befinden sich also nicht mehr fest in Fibroblasten oder Makrophagen gebunden, sondern frei im Gewebezwischenraum.
Das Retikulohistiozytäre System RHS (unser körpereigenes Filtersystem) aus Fresszellen/Makrophagen, Lymphknoten, Leber und der Milz phagozytiert die Pigmentfragmente, transportiert sie über die Lymphbahnen und baut sie schrittweise ab oder lagert sie teils in Filterorganen ein.
Der entscheidende Punkt ist die Partikelgröße der Pigmenttrümmer. Nur ausreichend kleine Fragmente können effektiv internalisiert (aufgenommen und verwertet) werden.
Pikosekundenlaser erzeugen genau diese biologisch „verwertbare“ Fragmentierung.
Die geringere thermische Schädigung des umliegenden Gewebes reduziert zudem die Freisetzung pro-inflammatorischer Mediatoren, was das Risiko für Postinflammatorische Hyperpigmentierung PIH oder sogar Vernarbungen minimiert. Aber Vorsicht bitte - das ist unter anderem Hauttyp, Laserenergie und Wellenlängen abhängig.
Geringere thermische Belastung und höhere Sicherheit
Da Pikosekunden-Impulse innerhalb der SRT wirken, wird nur ein minimaler Anteil der Energie in Wärme umgewandelt.
Die thermische Koagulation des umliegenden Gewebes ist nicht nur deutlich geringer als bei den langsamer gepulsten Nanosekunden-Lasern, sondern ist bei adäquater Herzfrequenz quasi nicht gegeben.
Dazu muss man aber auch verstehen, dass die Energie eines echten Pikosekunden Laser-Impuls so ultrakurz abgegeben wird, dass die Laserstrahlemission beginnt und endet, noch bevor die ersten Photonen die Haut erreichen (Marc. H. Homann et al., 2025)
Klinisch resultiert dies bei korrekter Handhabe und adäquaten Laser-Energie-Parametern in weniger Erythem, kürzeren Ausfallzeiten und einem reduzierten Risiko für Narbenbildung, Hypopigmentierung oder reaktive Hyperpigmentierung.
Besonders bei empfindlichen Hauttypen (nach Fitzpatrick III-VI) und Arealen mit geringer dermaler Dicke ist dieser Sicherheitsvorteil klinisch relevant.
Hierbei sollten aber auch unbedingt die unterschiedlichen Behandlungsempfehlungen des jeweiligen Pico-Laser-Herstellers berücksichtigt werden!
Multicolor-Tattoos: Effektivität bei komplexen Farbmischungen
Blaue, weiße und grüne Tätowierfarben gelten als besonders therapieresistent, da sie bei den Nd:YAG Wellenlängen eine geringe Absorption aufweisen und häufig aus stabilen, organischen oder metallhaltigen Azo- oder Naphthol-Derivaten bestehen.
Nano-Laser führen hier oft nur zu unvollständiger Fragmentierung mit Restpigmenten. Hohe Impuls-Temperaturen beinhalten zudem ein höheres Risiko von biologisch-chemischer Umwandlung der Pigmentstruktur.
Pico Nd:YAG Laser wirken weitgehend unabhängig von der chemischen Pigmentstruktur, da der dominante Effekt mechanisch ist.
Dadurch lassen sich auch stark kristalline oder wenig absorbierende Pigment-Farbvarianten behandeln.
Das Ergebnis sind Aufhellungen auch von Nd:YAG-Wellenlängen kontraindizierten Tätowierfarben, weniger „Ghost-Tattoo“ und eine geringere Restschattenbildung.
Permanent Make-up: Die Königsklasse der Laserbehandlung
Bei Permanent Make-up ist die Herausforderung nicht allein die Pigmententfernung, sondern die Schonung empfindlicher Areale wie Lippen, Augenbrauen und Augenlid-Region.
Hier wirken sich thermische Nebeneffekte besonders nachteilig aus.
Pikosekunden-Laser ermöglichen eine präzisere, mechanisch dominierte Fragmentierung bei deutlich reduzierter Hitzeeinwirkung.
Die feinere Partikelbildung erleichtert den immunologischen Abtransport, während das Risiko für Narben, Texturveränderungen oder Farbverschiebungen minimiert (wenn auch nicht gänzlich ausgeschlossen) wird.
Insbesondere bei rötlichen, orangen und meist gemischten PMU-Farben zeigt sich die Überlegenheit gegenüber den älteren Nano-Lasern.
Aber es ist und bleibt die Königsklasse der Laser-Pigmententfernung. Nicht nur, weil ein gewisses Maß an Pigmentologie bei der Ink-Zusammensetzung relevant ist, sondern falsche kurze Wellenlängen und Energie-Parameter zu relevanten photochemischen Umwandlungsprozessen führen können (Oxidation, Reduktion & Spaltung).
Traumatische "Unfall" Tätowierung: Schonendere Behandlung von eingelagerten Fremdpartikeln
Traumatische Pigmentierungen oder Unfall-Tätowierungen, etwa durch Asphalt, Metall oder Schießpulver, bestehen aus inhomogenen oft tief in der Haut eingebetteten Fremdpartikeln.
Eine thermisch dominierte Laserbehandlung birgt hier ein erhöhtes Risiko für Gewebeschädigungen und Fibrosen.
Die mechanische Fragmentierung durch Pikosekunden-Impulse erlaubt eine kontrolliertere Zerkleinerung dieser Partikel bei minimaler Wärmeentwicklung (thermischer Diffusion) in der dermis.
Dadurch wird nicht nur die Entfernung effizienter, sondern auch die langfristige Hautqualität besser erhalten.
Aber Vorsicht! Vom Laser-Impuls getroffene Partikel können auch gerne mal den kürzesten Weg aus der Haut suchen und im Behandlungsraum landen.
Kosmetische Läsionen und epidermale Hyperpigmentierungen
Bei Lentigines, Melasma oder Postinflammatorischen Hyperpigmentierungen (PIH) ist die Gewebeschonung entscheidend.
Übermäßige Hitze kann neue Entzündungsprozesse auslösen und das Pigmentproblem sogar verschärfen.
Pico-Laser ermöglichen eine präzise Fragmentierung der Melanosomen mit minimaler thermischer Diffusion.
Die geringere Freisetzung entzündlicher Mediatoren reduziert das Risiko von Rebound-Hyperpigmentierungen (wiederaufkommende Verdunklung der Haut) und unterstützt eine gleichmäßigere Hautregeneration.
Aber Vorsicht! Auch hier ist es Hauttyp, Fluence und Wellenlängen abhängig und kann bei bestimmten genetischen Hauttypen zu ungewollten Hyperpigmentierung im gelaserten Hautareal führen.
BiAxis QS PICO Nd:YAG von HLS: Innovative SRT-Technologie, sicher und kontrollierbar in der Praxis
Der BiAxis QS PICO Nd:YAG Laser von HLS vereint die bewährten Nd:YAG-Wellenlängen 1064 nm für tiefer liegende dunkle Pigmente und 532 nm für oberflächlichere rote, braune und gelbliche Farben mit einer Pulsdauer von 440 ps und 360 ps.
Entscheidend ist nicht allein die Laser- Spitzenleistung, sondern die Fähigkeit, die Energie kontrolliert, sicher und reproduzierbar innerhalb der Stress Relaxation Time SRT abzugeben.
Der BiAxis Pico-Laser ermöglicht eine gleichmäßige Energiedistribution bei hoher mechanischer Wirksamkeit und minimierter thermischer Nebenwirkung.
Für die klinische Praxis bedeutet dies eine präzise Anpassung an unterschiedliche Pigment-Arten, Hauttiefen, Hauttypen und Indikationen.
Weniger Sitzungen, bessere Vorhersagbarkeit der Ergebnisse
Die Kombination aus mechanisch-akustisch dominierter Pigment-Fragmentierung, effizienter immunologischer Elimination und reduzierter Gewebeschädigung führt in der Praxis zu kürzeren Behandlungsserien und besser vorhersagbaren Resultaten.
Klar - weniger Kollateralschaden in der Haut führt unweigerlich zu einfacheren und kürzeren Heilphasen und reduziertem Wundmanagement.
Dies gilt für klassische Tattoos ebenso wie für PMU, traumatische Pigmentierungen und kosmetische Läsionen.
Der therapeutische Nutzen ist für den Pico-Anwender und seine Kunden und Patienten nicht nur visuell, sondern biologisch und physikalisch begründet und kein Marketing-Gag des Laser-Verkäufers.
Unser Fazit: Pikosekunden-Laser sind kein Trend, sondern der physikalische Goldstandard in der Tattooentfernung und darüber hinaus
Kasai (2017) zeigt eindeutig, dass der Übergang von TRT-basierter Erwärmung zu SRT-dominierter mechanischer Pigment-Fragmentierung den entscheidenden Fortschritt in der Tattooentfernung darstellt.
Pico-Laser erzeugen kleinere Pigmentpartikel, ermöglichen eine effizientere immunologische Elimination und reduzieren gleichzeitig thermische Nebenwirkungen.
Mit dem BiAxis QS PICO Nd:YAG von HLS steht ein System zur Verfügung, das diese Prinzipien konsequent in die klinische Praxis überträgt.
Für die moderne Tattoo- und Pigmententfernung ist dies kein optionales Upgrade, sondern der neue technische Goldstandard. Auch zum Wohle der Kunden Patienten!
