Pikosekunden- oder Nanosekunden-Laser?
Eine fundierte Entscheidungshilfe für Laser-Anwender
Unsere Pico vs. Nano Einordnung vorne weg
Die Frage ob „Pikosekunden- oder Nanosekunden-Laser?“ ist keine Glaubensfrage und auch keine reine Budgetentscheidung.
Sie ist eine technisch-medizinische Abwägung, die sich aus Indikation, Pigmentologie, Patientenklientel und wirtschaftlicher Realität ergibt.
Wer diese Ebenen nicht sauber trennt, kauft entweder fehldimensioniert oder technisch am Bedarf vorbei.
Physikalischer Ausgangspunkt: Die Laser-Impulsdauer ist kein Marketingbegriff
Medizinische Realität: Nicht jedes Tattoo ist gleich
In der Praxis entscheidet nicht die Laser-Technologie an sich, sondern das was behandelt wird.
Schwarze, homogene Tattoos mit klassischen Carbon-basierten Pigmenten (Blackwork Tattoo) lassen sich mit dem hochwertigen BiAxis Nanosekunden QS Nd:YAG-System und seiner Wellenlänge 1064nm seit jeher effektiv behandeln.
Hier ist der Zugewinn durch Pikosekunden-Technologie zwar real, aber nicht zwingend notwendig, um ehrlich zu sein.
Sobald jedoch moderne, jüngere Farb-Pigmente, organische Farbstoffe, Mischpigmente oder mehrfach überstochene (Cover-up Tattoo) Tätowierungen oder bunte Permanent Make-up Pigmentmixturen ins Spiel kommen, verschiebt sich diese Situation.
Die Pigmentpartikel heutiger Hightech-Dispersionen zum tätowieren sind kleiner, chemisch komplexer und reagieren deutlich sensibler auf thermische Effekte.
In diesen Fällen zeigen Pikosekunden-Laser, wie der BiAxis QS PICO Nd:YAG Laser, eine überlegene Fragmentierung bei gleichzeitig höherer Gewebeschonung. Gleiches gilt für kosmetische Pigmente (PMU), Restpigmente fortlaufender Laserbehandlungen und bisher therapieresistente Tätowierungen.
Biologische Konsequenzen: Die Pigment- und Fragmentgröße ist entscheidend
Die Größe der vom Laser-Impuls zertrümmerten Pigmentfragmente ist kein akademisches Detail, sondern auch biologisch relevant.
Fein fragmentierte Pigmentpartikel können effizienter durch Makrophagen aufgenommen und über das lymphatische System abtransportiert werden.
Gröbere Fragmente verbleiben häufiger länger im Gewebe, führen zu verzögerten Aufhellungen oder durch erhöhte Laser-Energieparameter zu inflammatorischen Reaktionen.
Aus diesem Grund ist die oft beobachtete Reduzierung der Sitzungsanzahl bei Pico-Lasern keine „Marketing-Story“, sondern eine logische Folge der Fragmentationsphysik.
Hinzukommt, dass die mit der Stress-Relaxation-Time verbundene Pico-Impulsdauer vor allen Dingen bei kleineren modernen Pigmenten und Trümmer-Partikeln relevant und effizienter ist.
Warum manche bunte Problem-Pigmente mit dem Pico-Laser oftmals trotzdem erreichbar sind
Blaue, weiße, grüne und braun-gemischte Tattoo- und Permanent Make-up (PMU)-Farben gelten oft als besonders therapieresistent. Allerdings mit einem entscheidenden Vorbehalt.
Die sichtbare Farbe lässt keinen zuverlässigen Rückschluss auf die zugrunde liegende Pigmentchemie zu.
Modernes Pigment-blau basiert häufig auf Kupferphthalocyanin, Weiß hingegen auf Titandioxid, teils mit Calciumcarbonat oder Bariumsulfat als Zusatzstoff. Pigment-grün kann auf Phthalocyanin oder Chromoxid als Einzelpigment beruhen, ebenso gut aber auch eine Mischung aus Blau- und Gelbanteilen sein (klassische Farblehre).
Ein echtes Pigment-braun ist in Reinform meist anorganisches Eisenoxid. In der Tattoo-Praxis besteht die Tätowierfarbe aber häufig aus einer Mischung mehrerer Grundpigmente (z.B. rot, grün und schwarz oder gelb, blau, rot, weiß).
Ohne Kenntnis der tatsächlichen Ink-Formulierung des jeweiligen Herstellers lässt sich diese Unterscheidung von außen auf die Haut nicht treffen. Ein Umstand, der bei jeder Lasertherapie nicht nur in die Risikobewertung mit einfließen, sondern wenn möglich auch echte Recherche-Arbeit beinhalten sollte.
Der entscheidende Unterschied zwischen NANO und PICO Laser-Impulsen liegt hierbei aber nicht nur in der thermischen, sondern vor allem in der mechanischen Wirkung auf das Pigmentpartikel.
Jedes Tattoo-Pigment hat neben seiner Thermal Relaxation Time (TRT), der Zeit, in der aufgenommene Wärme ins umliegende Gewebe abfließt, auch eine deutlich kürzere Stress Relaxation Time (SRT). Die Zeit, die eine im Pigment-Partikel erzeugte Druckwelle braucht, um sich akustisch zu entspannen.
Nanosekunden Laser-Impulse liegen noch oberhalb dieser SRT, wodurch die Wirkung überwiegend photothermisch bzw. photomechanisch bleibt und entsprechend stark von einer guten Absorption des Pigments abhängt.
Pikosekunden Laser-Impulse unterschreiten diese SRT deutlich. Die Folge ist ein ausgeprägtes Stress-Confinement, bei dem sich innerhalb des ultrakurzen Pulses eine hohe mechanische Spannungsspitze im Partikel aufbaut (K. Kasai, 2017).
Für schlecht absorbierende Pigmente bedeutet es, dass auch eine vergleichsweise geringe absorbierte Energiemenge ausreichen kann, um über diesen mechanischen Weg das Pigment-Partikel zu zersprengen. Unabhängig davon, wie ideal die Wellenlänge zur Pigment-Farbe und -Chemie passt.
Das erklärt, warum der BiAxis QS PICO Nd:YAG Laser bei Problemfarben wie blau, weiß, grün oder braun oftmals sichtbar wirksamer sein kann als der BiAxis NANO QS Nd:YAG Laser. Und das obwohl beide Systeme dieselben zwei Wellenlängen (1064/ 532nm) nutzen.
Ein weiterer klinisch relevanter Punkt sind paradoxe Farbumschläge während der Laserbehandlung. Etwa von Weiß zu Grau oder Schwarz zu Braun.
Diese entstehen häufig durch Oxidations- oder Reduktions- Reaktionen am Metalloxid-Pigment. Bei Titandioxid (TiO2) etwa durch die Bildung dunklerer, unterstöchiometrischer (zu wenig Sauerstoff) Titanoxide.
Ein solcher Farbumschlag ist nicht zwangsläufig ein Rückschlag, da das entstehende dunklere Folgeprodukt teils deutlich besser bei 1064nm absorbiert und dadurch wieder zugänglicher für klassische, absorptionsgetriebene Lasertherapien wird.
Eine Garantie ist das aber leider nicht. In der Praxis zeigt sich dieser Farbwechsel selbst bei vergleichbarem Ausgangsmaterial und ähnlichen Behandlungsparametern uneinheitlich. Mal deutlich, mal gar nicht, ohne dass sich das bislang auf eine einzelne Ursache zurückführen lässt.
Wir gehen davon aus, dass hier mehrere Faktoren zusammenspielen. Darunter die konkrete Ink-Formulierung, die Pigmenttiefe im Gewebe und die tatsächlich applizierte Impulszahl nebst zugehöriger Impuls-Energie und Spot-Größe. Man kann das nach aktuellem Stand der Laser-Wissenschaft leider noch nicht zuverlässig auseinanderhalten.
Wie viel Energie ein bestimmtes Pigmentpartikel einer bestimmten Größe tatsächlich benötigt, um über den SRT-Mechanismus zu zersplittern, und unter welchen Bedingungen ein Farbumschlag zuverlässig zu einem besseren Behandlungsergebnis führt, ist bislang wissenschaftlich nicht abschließend geklärt.
Deshalb verzichten wir hier bewusst auf plakative Leistungsvergleiche oder pauschale Erfolgsversprechen. Genau diesen offenen Fragen gehen wir aktuell gemeinsam mit Universitäten unter Laborbedingungen aber nach.
Sicherheit, Risiken und Nebenwirkungen sind kein Nebenschauplatz
Wirtschaftlichkeit und Praxisrelevanz haben die häufigsten Denkfehler
- Anzahl der Sitzungen pro Kunde/ Patient
- Behandlungsdauer
- Komplikationsquote
- Patientenzufriedenheit
- Weiterempfehlung
- Reputation der Praxis
Alles auf dieser Seite, plus dem, was Sie hier nicht öffentlich in unserem Beitrag finden.
Inklusive beispielhafter Wirtschaftlichkeits-Rechnung nach aktueller GOÄ (mit Ausblick auf die geplante GOÄ-Reform), ein 5-Punkte-Check, mit dem Sie einen echten Pico-Laser von einem umgelabelten System unterscheiden, und die komplette Checkliste aller Punkte, die neben dem Laserkauf noch selber zu regeln sind.
>> Kostenlos für Sie per E-Mail, wobei kein Verkaufsgespräch notwendig ist.











