
Permanent Make-up entfernen – was die Studienlage 2026 hergibt

Permanent Make-up entfernen – was die Studienlage 2026 hergibt
Anlass für unseren neuen Blog-Beitrag hier war und ist die stetig falsche Differenzierung zwischen Pico-Laser oder Q-switched Laser. Nicht nur der alteingesessene Laser-Dermatologe erläutert es gerne verkehrt, sondern fressen auch die KIs diese Info wie das Krümelmonster die Kekse. Wer hat Schuld? Wir, die Laser-Verkäufer! Warum? Das versuchen wir hier nun mal ausführlicher zu erläutern. Um etwas wirklich zu durchdringen, muss man oft die Grundlagen verstehen und ganz von vorne beginnen.
Pico-Laser auf den ersten Blick
Beim Pico-Laser beschreibt „Pico“, wie kurz der Laser-Impuls ist. Aber keineswegs wie er erzeugt wird. Pikosekunden (Engl. Picosecond; kurz Pico) -Impulse lassen sich auf mehreren Wegen erzeugen. Entweder durch Güteschaltung in einem sehr kurzen Resonator, durch Modenkopplung mit anschließender Verstärkung oder durch einen kurzen Start-Impuls, der nachverstärkt wird. Jeder Weg hat seine Vor- und Nachteile.
Für die eigentlich Laser-Behandlung zählt allerdings nicht das Bauprinzip, sondern was am Laser-Handstück am Ende rauskommt und im zu behandelnden Hautareal ankommt. Das sind Wellenlänge, Pulsdauer und vor allem die Energie pro Impuls. Denn sie entscheidet, wie groß ein Laser-Spot sein darf und wie viel Laserlicht die tieferen Hautschichten erreicht.
Klinisch betrachtet sind echte Pico-Laser guten Nano-Lasern bei der Tattooentfernung als Beispiel ziemlich ebenbürtig. Mit einigen Vorteilen beim Schmerzempfinden und wer sich schonmal mit beiden Laser-Varianten behandeln lassen hat, weiß wovon wir hier schreiben. Wundermaschinen sind sie ehrlicher Weise nicht aber wer einen Nano-Laser hat, sollte über den Pico-Laser unbedingt mal nachdenken. Studien, die Pico-Laser nach ihrer Bauart vergleichen, gibt es bisher leider keine.
Was ist ein Pico-Laser?
Fangen wir hierfür mit der Nanosekunde an. Sie ist das Milliardstel einer Sekunde, eine Pikosekunde im Vergleich tausendmal kürzer. Also das Billionstel einer Sekunde. Unser Wimpernschlag braucht hingegen zwischen 100 und 300 Millisekunden. Also 100 Tausendstel einer Sekunde.
Klassische gütegeschaltete Nd:YAG-Laser arbeiten mit Impulsen von etwa 5 bis 10 Nanosekunden (ns).
Heutige Pico-Laser liegen meist zwischen 300 und 900 Pikosekunden (ps), also unter einer Nanosekunde (< 1ns).
Genau genommen sind Pico-Laser also Sub-Nanosekunden-Laser. Cynosure nennt sein eigenes Patent von 2018 auch genau so. Im Prospekt heißen solche Geräte dann Pico-Laser. Femto- und Attosekunden-Laser lächeln hierüber natürlich nur müde.
Im Netz liest man oft „Q-switched oder Pico“, als wären das zwei Gegensätze. Das ist wirklich falsch. Der Fehler hält sich aber leider so hartnäckig, weil gütegeschaltete Laser in der Dermatologie über Jahrzehnte hinweg praktisch immer Nanosekunden-Laser waren.
Im Sprachgebrauch wurde „Quality-, Q-switched, Qs“ dadurch zum Synonym für Nano-Lasersysteme. Hersteller und wir Verkäufer von Pico-Lasern haben diese Geräte dann als Gegenmodell zum „Q-Switch“ beworben.
„Q-switched“, deutsch gütegeschaltet, beschreibt allerdings das Verfahren, wie ein Laser seine Energie in einem einzigen kurzen Impuls abgibt.
„Nano & Pico“ beschreiben nur, wie lang dieser Impuls dauert. Übrigens immer kurz oder lang aber niemals "schnell". Schnell ist die Lichtgeschwindigkeit und die ist bei beiden wohlweislich gleich, Captain Kirk.
Physikalischer Fakt: Ein Laser kann gütegeschaltet sein und trotzdem Pikosekunden-Impulse aussenden.
Warum die Impulsdauer überhaupt zählt, zeigt ein Blick ins Tattoo-Pigment. Trifft ein sehr kurzer Laser-Impuls auf ein Tattoo-Pigmentpartikel, baut sich darin ein Druck auf noch bevor er entweichen kann.
Dieser eingeschlossene Druck sprengt das Partikel von innen. Je kürzer der Impuls, desto ausgeprägter dieser mechanische Effekt und desto weniger Wärme gelangt ins umliegende Hautgewebe.
Das gilt übrigens auch für Nanosekunden-Laser. Auch sie zertrümmern Pigment über Druckwellen und nicht nur über Hitze, wie 1983 von Rox Anderson und John A. Parrish mit der Selektiven Photothermolyse beschrieben wurde. Der Unterschied zum Pico-Laser ist dabei graduell und nicht grundsätzlich (Chen et al. 2026).
Ein zweiter verbreiteter Irrtum ist, dass Pico-Laser mehr Energie liefern. Werte mit Gigawatt- Angaben wie beim Kernkraftwerk beeindrucken aber auch wirklich.
Höher ist ihre Spitzenleistung, weil sie die Energie in viel kürzerer Zeit abgeben. Die Energie pro Impuls ist bei Pico-Lasern dagegen meist gleich oder sogar niedriger als bei Nano-Lasern. Warum genau das ihre eigentliche Grenze ist, zeigen wir weiter unten bei der Tiefenwirkung.
Wie erzeugt ein Pico-Laser seinen Laser-Impuls?
In jedem Festkörperlaser steckt ein Kristall, das sogenannte Lasermedium (Nd:YAG, Rubin oder Alexandrit in unserem Metier), zwischen zwei Spiegeln. Diese Anordnung heißt Resonator. Eine Blitzlampe oder Laserdiode pumpt Energie in den Kristall, das Licht läuft zwischen den Spiegeln hin und her und wird dabei verstärkt. Wie daraus ein kurzer, energiereicher Impuls wird, dafür gibt es grundsätzlich drei Wege.
Auf dem Smartphone lässt sich die Grafik seitlich verschieben.
Alle drei Wege führen zu einem Pico-Impuls. Sie unterscheiden sich darin, wo die Energie entsteht, und genau das erklären die folgenden Abschnitte.
Güteschaltung (Q-Switching)
Man kann sich die Güteschaltung wie einen Staudamm vorstellen. Solange ein optischer Schalter zwischen den Spiegeln geschlossen bleibt, kann das Licht nicht hin und her laufen und sich somit nicht aufschaukeln.
Die Energie, die laufend in den Kristall gepumpt wird, sammelt sich dort an wie Wasser hinter einem geschlossenen Damm. Öffnet der Schalter schlagartig, entlädt sich die gespeicherte Energie in einem einzigen kräftigen Impuls. Das ist das Prinzip der klassischen Nanosekunden-Laser.
Die Pulsdauer liegt dabei typischerweise im Nanosekunden-Bereich, weil sich der Impuls über mehrere Umläufe im Resonator aufbaut. Um mit diesem Prinzip Pikosekunden zu erreichen, muss der Resonator sehr kurz werden.
Mit Cavity Dumping wird Q-Switching zum Pico-Impuls
Beim Cavity Dumping lässt man das Licht zunächst im Resonator kreisen, bis es maximal stark ist, und koppelt es dann innerhalb eines einzigen Umlaufs komplett aus. Die Pulsdauer entspricht damit ungefähr der Zeit, die das Licht für einen Umlauf benötigt. Licht legt in einer Nanosekunde rund 30 Zentimeter zurück. Ist der optische Weg hin und zurück kürzer, entsteht ein Impuls unter einer Nanosekunde.
Kombiniert man nun Güteschaltung und Cavity Dumping in einem solchen kurzen Resonator, entstehen Pico-Impulse mit hoher Energie direkt im Oszillator, ohne nachgeschaltete Verstärker.
Modenkopplung im Pico-Laser
Bei der Modenkopplung schwingen viele Lichtwellen im Resonator im Gleichtakt. Dabei entsteht eine schnelle Folge sehr kurzer Impulse, die bis in den Femtosekundenbereich gehen können.
Der Haken daran ist, dass jeder einzelne dieser Impulse nur Energie im Nanojoule-Bereich trägt. Für eine Behandlung zur Tattooentfernung braucht man aber Hunderte Millijoule, also rund das Hundertmillionenfache.
Deshalb wird aus dem Impulszug ein einzelner Impuls herausgegriffen und in Verstärkerstufen auf therapeutische Energie gebracht.
Seed-Oszillator und sein Leistungsverstärker (MOPA)
Was im Titel klingt wie ein Großstadt-Krimi ist eine weitere Bauart-Variante, die Erzeugung und Energie ganz und gar trennt. Der Seed-Oszillator oder Master Oscillator ist ein relativ kleiner Laser mit geringer Ausgangsleistung. Seine Hauptaufgabe ist es, den "Samen" (engl. seed), also den ursprünglichen kurzen, energiearmen Laserstrahl zu erzeugen, und dabei dessen optische Eigenschaften (Wellenlänge, Stabilität der optischen Frequenz und Puls-Form/Pico) exakt zu definieren.
Ein nachgeschalteter Leistungsverstärker bringt ihn dann auf Behandlungsenergie und erhöht dessen Intensität massiv, ohne die vom Oszillator vorgegebenen Eigenschaften (wie Wellenlänge oder Pulsform) zu verändern. Fachleute nennen das MOPA, Master Oscillator Power Amplifier. Der Start-Impuls kann dabei selbst gütegeschaltet oder modengekoppelt sein und der Verstärker übernimmt die perfekte Strahlform des Oszillators.
Q-Switching oder Modenkopplung, was ist besser?
Güteschaltung liefert Energie vergleichsweise einfach, sehr kurze Impulse aber nur mit kurzen Resonatoren und sehr schnellen Schaltern.
Modenkopplung liefert sehr kurze Impulse einfach, Energie aber nur über Verstärkung. Mehr Verstärker-Stufen bedeuten aber mehr optische Bauteile, mehr Justierung und mehr mögliche Fehlerquellen. Ein Hersteller nennt genau das in seinen eigenen Patenten als Nachteil früherer Konzepte.
Wer nicht ständig Besuch von seinem Service-Techniker bekommen möchte, fokussiert sein Interesse auf intelligente Lasersystem-Varianten mit möglichst wenigen Baukomponenten.
Welche Technik steckt in bekannten Pico-Lasern?
Die meisten Hersteller legen ihre Laser-Architektur natürlich nicht offen, da es zum Betriebsgeheimnis gehört. Was sich aber belegen lässt, zeigt vor allem, dass die Grenze zwischen „gütegeschaltet“ und „modengekoppelt“ im Markt viel unschärfer ist, als Marketing-Texte es vermuten lassen.
Der PicoWay Pico Nd:YAG Laser von Candela wird in einer Fachpublikation als blitzlampengepumpter Festkörperlaser beschrieben, dessen Start-Impuls aus einem passiv gütegeschalteten Seed-Oszillator stammt und in einem Leistungsverstärker nachverstärkt wird (Suozzi 2023). Auch eines der bekanntesten Pico-Systeme nutzt also Güteschaltung, nur eben im Start-Impuls.
Cynosure, Hersteller des PicoSure Alexandrit Lasers und Pionier in der Laser-Ästhetik gerade was die Tattooentfernung betrifft, hat sich beide Wege patentieren lassen. Eine Patentfamilie ab 2006 beschreibt einen modengekoppelten Impuls, der im selben Resonator verstärkt und dann ausgekoppelt wird.
Ein Patent von 2018 beschreibt dagegen Güteschaltung mit Cavity Dumping in einem Resonator mit weniger als einer Nanosekunde Umlaufzeit, ausdrücklich um Pico-Impulse mit über 100 Millijoule ohne Verstärkerstufen und mit weniger Bauteilen zu erzeugen. Welches Konzept in welchem Seriengerät steckt, geht aus den Patenten leider nicht hervor.
Wie eng Pulsdauer und Energie zusammenhängen, zeigen die technischen Daten im deutschen Benutzerhandbuch des ursprünglichen PicoSure Lasers. Wird der Impuls im sogenannten Boost-Modus von 750 auf 550 Pikosekunden verkürzt, sinkt die Energie pro Impuls automatisch von 200 auf 165 mJ. Die Spitzenleistung steigt dabei nur um rund 12%. Kürzer heißt also nicht automatisch stärker.
Candela argumentiert auf seiner Website, gestützt auf eigene, nicht veröffentlichte Daten, dass Ansätze auf Basis von Güteschaltung bei Impulsen unter 500 Pikosekunden an Grenzen stoßen. Physikalisch ist das nachvollziehbar, denn je kürzer der Impuls, desto kürzer muss der Resonator sein.
Ob 300 ps oder 600 ps klinisch einen Unterschied machen, ist allerdings eine andere Frage. Hinzu kommt, dass die DIN-Norm für die Impulsdauer selbst eine Abweichung von bis zu 20 % nach oben und unten zulässt. Ein Gerät mit angegebenen 450 Pikosekunden darf also real auch bei 540 ps liegen.
Vergleichsstudien zwischen Pico-Lasern mit unterschiedlicher Pulsdauer fehlen. Das stellen auch Autoren fest, die einen 300-Pikosekunden-Laser untersucht haben (Kim et al. 2021).
Der Sprung von Nano zu Pico ist real. Welche Zahl unterhalb einer Nanosekunde ein Gerät angibt, ist dagegen bisher vor allem eines - Marketing!
Wovon hängt die Tiefenwirkung eines Pico-Lasers ab?
Ein hilfreiches Bild entsteht dafür wenn wir uns Licht als Photonen-Pfeile vorstellen. Jeder Laser-Impuls schickt eine bestimmte Menge raus aus seinem Handstück, rein in die Haut.
Verteilt sich dieselbe Menge an Photonen-Pfeilen auf einen größeren Laser-Spot, treffen auf jeden Quadratzentimeter weniger davon. Genau das ist die Energiedichte. Ein Spot mit 5 mm Durchmesser hat fast die dreifache Fläche eines 3 mm Spots. Bei gleicher Energie pro Impuls sinkt die Energiedichte also auf rund ein Drittel.
In der Haut fliegen die Photonen-Pfeilen allerdings nicht nur schön geradeaus. Sie prallen an Zellen und Fasern ab und ändern ständig ihre Richtung. Bei einem kleinen Laser-Spot gehen dadurch viele Photonen seitlich verloren, bevor sie in die Tiefe kommen.
Bei einem großen Laser-Spot wird seitlich herausgestreutes Licht durch Licht ersetzt, das aus den Nachbarbereichen wieder hineingestreut wird. Nur am Rand fehlt dieser Nachschub, und bei einem kleinen Laser-Spot ist fast alles Rand. Darum erreicht beim großen Spot mehr Licht die tieferen Schichten, bis zu einer Grenze, ab der ein noch größerer Spot kaum zusätzliche Tiefe bringt.
Daraus folgt der Kern des Ganzen. Ein Laser mit wenig Energie pro Impuls muss den Spot verkleinern, um genug Energiedichte zu erreichen, und verliert dadurch Tiefenwirkung.
Merke: Großer Laser-Spot dringt tiefer in die Haut und nicht der Kleine!
Das war und ist traditionell die Stärke der Nanosekunden-Laser. Nicht weil sie gütegeschaltet sind und nicht wegen ihrer längeren Pulsdauer, sondern weil sie mehr Energie pro Impuls liefern.
Ein Pico-Impuls von einigen hundert Pikosekunden schließt Druck auch in größeren Pigmentpartikeln ein. An der Pulsdauer scheitert er bei dichten, tiefen Pigmentdepots also nicht, sondern an der hierfür verfügbaren Energie.
Und hier kommt die Laser-Bauart ins Spiel. Ein modengekoppelter Pico-Laser startet mit winzigen Impulsen, deren Energie erst über Verstärkerstufen entsteht. Ein gütegeschalteter Pico-Laser speichert die Energie im Lasermedium und gibt sie in einem einzigen Impuls frei.
Beide Wege können hohe Energien erreichen. Entscheidend ist am Ende, was am Handstück ankommt. Also die Energie pro Impuls und die Energiedichte, die damit beim großen Spot noch möglich ist, um tieferliegende Rest-Pigmente vom Tattoo in der Dermis zu behandeln.
Fragen Sie als Laser-Anwender deshalb nicht nur nach der ps-Zahl bei der Impulsdauer, sondern nach der Energie pro Einzelimpuls bei der Wellenlänge, die Sie am häufigsten nutzen. Und dazu noch nach der Energiedichte beim größten Laser-Spot.
Ist ein Pico-Laser besser als ein Nano-Laser?
Die Studienlage ist nüchterner als viele Werbeversprechen uns suggerieren. Die aktuellste Meta-Analyse wertet dabei 20 randomisierte Studien und eine retrospektive Studie mit insgesamt 971 Patienten aus.
Bei körpereigenen Pigmentstörungen schnitten Pico- und Nano-Laser gleich ab. Bei Tattoos und anderen körperfremden Pigmenten zeigte sich ein Trend zugunsten Pico, der die statistische Signifikanz knapp verfehlte.
Klar besser waren Pico-Laser bei Schmerz und bei Pigment-Verschiebungen nach der Behandlung, wobei dieser Sicherheitsvorteil laut den Autoren vor allem in asiatischen Kollektiven belegt ist (Wu W. et al. 2025).
Ein systematischer Review zu Nd:YAG Lasern kommt 2026 zu einem ähnlichen Ergebnis. Pico-Systeme erreichen eine gleichartige Aufhellung, teils mit weniger Sitzungen oder geringerer Energiedichte. Eine durchgängige Überlegenheit zeigte sich aber nicht (Wong et al. 2026).
Eine retrospektive Klinik-Studie mit 130 Patienten fand bei Pico-Lasern häufiger eine sehr gute Aufhellung und im Median eine Laser-Sitzung weniger. Beim Erreichen von mindestens 50 % Aufhellung fand man aber keinen signifikanten Unterschied (Chen et al. 2026).
Laut Literatur sind für eine Aufhellung um 75 % bei schwarzen und blauen Tattoos meist 4 bis 8 Sitzungen notwendig. Professionelle Tattoos und Farben sprechen deutlich schlechter an als Laien-Tattoos (Wong et al. 2026).
Bis zur vollständigen Entfernung einer professionellen Tätowierung sind in unserem Praxis Anwender-Leben auch mit einem Pico-Laser gerne mal bis zu 20 Behandlungen nicht absolut ungewöhnlich.
Das liegt aber natürlich auch an der Größe und Intensität der Tätowierung und der Aufteilung in einzelne Behandlungszonen. Aussagen wie „mit Pico in wenigen Sitzungen weg“ halten deshalb bei uns nie stand.
Unsere Erfahrung ist, dass <8ns Nano-Impulse bei alten, großen Pigment-Depots ihre Stärken haben und Pico-Impulse vor allem dann bei kleineren Pigment-Partikeln aus den modernen Hightech Dispersionen (Tattoo Inks), die man heutzutage zum Tätowierern verwendet.
Das ist aber Praxiserfahrung, keine Studienaussage. Wichtig ist außerdem, dass keine der genannten Studien Pico-Laser nach ihrer Bauart unterscheidet.
Wer behauptet, ein gütegeschalteter oder ein modengekoppelter Pico-Laser wirke klinisch besser, kann sich dabei bisher nicht auf Studien stützen. Das gilt für alle Hersteller, Verkäufer und auch für uns.
Wofür eignet sich ein Pico-Laser außer für die Tattooentfernung?
Der PicoSure wurde mal als Pico Alexandrit-Laser nur für die Tattooentfernung entwickelt. Heutzutage, und zudem als Pico Nd:YAG Variante, werden die Systeme aber deutlich breiter eingesetzt. Ein umfassender systematischer Review bewertet die Evidenz je Indikation (Wu D.C. et al. 2021).
Tattooentfernung erreicht dabei das höchste Evidenz-Niveau, benigne Pigmentläsionen wie Lentigines, Sommersprossen oder Naevus Ota liegen je nach Befund zwischen hoch und niedrig. Hautverjüngung und Melasma liegen im mittleren Bereich, Narben etwas darunter.
Bei Melasma ist derweil Zurückhaltung angebracht. Pico-Laser sind hier eher eine Ergänzung als eine Erstlinien-Therapie. In einer randomisierten Studie wirkte ein 1064nm Pico-Laser besser als ein 755nm Pico-Laser, der wiederum nicht besser abschnitt als eine Hydrochinon-Creme (Liang et al. 2023).
Hautverjüngung, Falten, vergrößerte Poren und atrophe Aknenarben werden fraktioniert behandelt. Dabei bündelt ein spezielles Linsenarray (MLA oder DOE-Handstück) die Energie in viele winzige Mikrospots, einen Großteil der Energie auf einen kleinen Teil der Fläche.
In diesen Mikrospots entstehen in der Epidermis kleinste Mikrodurchbrüche und in der Dermis Hohlräume (Laser-Vakuolen), die einen Umbau von Kollagen und Elastin anregen (Zhou et al. 2023).
Welche dieser Indikationen ein Pico-Laser genau abdeckt, hängt an seinen Wellenlängen und den verfügbaren Handstücken. Ob sein Impuls gütegeschaltet oder modengekoppelt entsteht, spielt dafür keine Rolle.
Worauf Sie beim Kauf eines Pico-Lasers achten sollten
Ob ein Pico-Laser gütegeschaltet oder modengekoppelt ist, sagt allein wenig über seine Eignung aus. Mehr verraten Ihnen vielleicht die folgenden Fragen:
- Wie lang ist der Impuls tatsächlich, gemessen als Halbwertsbreite, bei welcher Wellenlänge und mit welcher Messmethode?
- Welche Energie liefert ein einzelner Laser-Impuls bei Ihrer wichtigsten Wellenlänge, und welche Energiedichte ist damit beim größten Spot noch erreichbar?
- Ist das Strahlprofil gleichmäßig, oder gibt es Hotspots im Spot?
- Wie stabil sind Energie und Pulsdauer von Impuls zu Impuls?
- Welche Wellenlängen und Handstücke gibt es für die Indikationen, die Sie anbieten wollen?
- Wie aufwendig sind Justierung, Wartung und Service, und wer leistet ihn in Ihrer Nähe?
- Welche Wellenlänge brauchen Sie überhaupt - Infrarot, Dunkelrot oder Grün?
Günstige Pico-Laser, Fälschung oder echter Pico?
Nicht jeder günstige Pico-Laser ist eine Fälschung. Bei unserer Recherche in Datenblättern und Zulassungsunterlagen haben sich uns drei Gruppen gezeigt.
Die erste Gruppe ist reiner Etikettenschwindel. Geräte werden als „Picosecond“ beworben, während im eigenen Datenblatt eine Pulsdauer von 5 bis 8 Nanosekunden angegeben wird. Das ist ein Nano-Laser mit neuem Namen, häufig ein besonders einfacher.
Viele dieser Geräte liefern nur eine feste Einzelpulsenergie. Höhere Stufen am Display bedeuten dort keinen stärkeren Impuls, sondern mehrere Impulse hintereinander mit gleicher Einzelenergie. Solche Impulsfolgen wirken zunehmend thermisch und verkochen Pigmente eher, als sie zu zersprengen. Seriöse Geräte mit Doppel- oder Mehrfachimpuls teilen die angezeigte Gesamt-Energie dagegen auf die Einzel-Impulse auf.
Die zweite Gruppe sind Datenblätter, die sich selbst widersprechen. Mal passt die angegebene Spitzenleistung nicht zur Energie und Pulsdauer. Mal steht bei 532 nm dieselbe Energie wie bei 1064 nm, obwohl bei der Frequenzverdopplung zwangsläufig Energie verloren geht.
Auffällig oft finden sich bei verschiedenen Anbietern nahezu wortgleiche Formulierungen und Zahlen. Ein Gerät, das als FDA-freigegeben beworben wird, nennt zum Beispiel 1500 mJ bei 450 Pikosekunden und eine Spitzenleistung von 1,33 Gigawatt. Rechnerisch wären es über 3 Gigawatt, eine der Angaben kann also nicht stimmen.
Die dritte Gruppe sind günstige Geräte, die tatsächlich Pico-Impulse liefern. Einige davon haben eine FDA-Freigabe, und deren öffentliche Zusammenfassungen ähneln sich stark. Sie nennen 300 bis 500 ps, rund 500 mJ bei 1064 nm, rund 250 mJ bei 532 nm, Spots von 2 bis 10 mm. Klinische Daten enthalten diese Einreichungen nicht, nur Labor- und Normprüfungen. Wie deren Laser-Impulse erzeugt werden, steht in keiner davon.
Auffällig ist außerdem, dass Energie und Pulsdauer dort getrennt aufgeführt werden. Etwa als „bis zu 500 mJ“ und „300 bis 500 ps“. Ob beides gleichzeitig erreicht wird, geht daraus nicht hervor.
Wie bei allen medizinischen Lasern darf der tatsächliche Laserausgang, bei Pulslasern (also die Energie pro Impuls) um bis zu 20 % vom eingestellten Wert abweichen, die Impulsdauer ebenfalls um bis zu 20 %.
Das regelt übrigens die Sicherheitsnorm für medizinische Lasereinrichtungen, DIN EN 60601-2-22, Abschnitt 201.12.1.101. Für die Energiedichte gilt bei allen Pico-Lasern dieser Klasse (4 bzw. IIb) dieselbe Rechnung, auch beim BiAxis QS PICO Nd:YAG von HLS, den wir selbst vertreiben.
Mit 500 mJ erreicht man beim 3 mm Laser-Spot rund 7 J/cm², beim 5 mm Spot noch rund 2,5 J/cm² und beim 10 mm Spot nur etwa 0,6 J/cm². Große Spots sind damit für Anwendungen mit niedriger Fluence wie Skin-Toning gedacht und nicht für dichte, tiefe Tattoo-Pigmente.
In unserer Praxiserfahrung seit 2008 kommt man bei der Tattooentfernung mit Spots von 4 bis 6 mm bis höchstens mal 7 mm aus. Ein 10 mm Spot spielt dort praktisch keine Rolle. Kritisch wird es dann vor allen Dingen, wenn ein Prospekt den großen Laser-Spot als Vorteil bei der Tattooentfernung verkauft.
4 einfache Prüfungen helfen Ihnen rasch weiter: Fragen Sie zuerst nach der Energie des Einzel-Impulses und nicht nach der Summe auf dem Display. Rechnen Sie dann nach, ob Spitzenleistung, Energie und Pulsdauer zusammenpassen, denn die Spitzenleistung ist nichts anderes als Energie geteilt durch Pulsdauer.
Teilen Sie die Energie pro Impuls durch die Fläche des größten Spots. Dann sehen Sie, was dort an Energiedichte übrig bleibt.
Und recherchieren Sie gerne genannte "FDA-Freigabe" in der öffentlichen 510(k)-Datenbank der US-Behörde nach. Dort lässt sich prüfen, ob sie zum angebotenen Gerät mit all seinen Wellenlängen und Modi passt.
Eine FDA-Freigabe ist übrigens keine Zertifizierung, auch wenn sie in Prospekten gerne so genannt wird.
Der BiAxis QS PICO Nd:YAG als gütegeschalteter Pico-Laser
Der BiAxis QS PICO von HLS Hypertech Laser Systems GmbH in Lübeck erzeugt seine Pico-Impulse per Güteschaltung. QS steht hier übrigens für Quality & Safety vor dem PICO.
Im PICO-Modus liefert er laut unseres Entwicklers und Herstellers 440 ps bei bis zu 400 mJ pro Einzelimpuls bei 1064 nm und 360 ps bei bis zu 200 mJ bei 532 nm. Die vollständige Tabelle der Energiedichten je Spotgröße haben wir in unserem Beitrag zur PMU-Entfernung veröffentlicht.
Damit gilt für den BiAxis dieselbe Physik wie für jeden anderen Pico-Laser dieser Klasse. Beim 3 mm großen Laser-Spot erreicht er rund 5,7 J/cm², beim 5 mm Spot rund 2,0 J/cm² und beim 10 mm Spot nur noch 0,5 J/cm².
Auch bei ihm sind große Spots für Anwendungen mit niedriger Fluence gedacht und nicht für dichte, tiefe Tattoo-Pigmente oder großflächige Tätowierungen. Der Treatment Guide von HLS sieht für Tätowierungen und Permanent Make-up entsprechend nur Spots von 3 bis 6 mm vor.
Laser-Spots von 8 bis 10 mm tauchen dort ausschließlich bei Anwendungen etwa beim Melasma-Toning, bei milden dermalen Pigmentierungen, bei der Hautverjüngung und der fraktionierten Faltenbehandlung auf.
Mit 440 Pikosekunden liegt er im kurzen Bereich der heutigen Pico-Laser. Pulsdauer und Energie nennt HLS dabei für denselben Betriebspunkt, was in Datenblättern keineswegs selbstverständlich ist.
Häufige Fragen zum Pico-Laser
Richtige Unterscheidung zwischen Pico und Q-switched Lasern
Ein paar kurze und nicht allumfassende Antworten:
Transparenzhinweis: Wir sind exklusiver Vertriebspartner von HLS für die BiAxis-Lasersysteme in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wir haben ein wirtschaftliches Interesse an diesen Lasersystemen. Deshalb stützen sich alle allgemeinen Aussagen in diesem Beitrag auf öffentlich zugängliche Quellen. Natürlich und ehrlich auch dort, wo sie nicht unbedingt zu unseren Gunsten ausfallen könnten. Zur Recherche und Lektorat haben wir die KI Claude in die Erstellung des Beitrags eingebunden.
Quellen, Studien und Evidenzbasis
- Chen et al. 2026. Q-switched 1064-nm laser versus picosecond 1064-nm laser in tattoo removal. J Cosmet Dermatol. doi:10.1111/jocd.71098
- Wong et al. 2026. Efficacy of Nd:YAG lasers for tattoo removal: systematic review. J Cosmet Dermatol. doi:10.1111/jocd.70914
- Wu W, Du Y, Zhang Y, Su Q, Wang F 2025. Comparative appraisal with meta-analysis of picosecond versus nanosecond lasers for hyperpigmented disorders and tattoos. Lasers Med Sci 40:465. PubMed 41184656
- Wu DC, Goldman MP, Wat H, Chan HHL 2021. A systematic review of picosecond laser in dermatology: evidence and recommendations. Lasers Surg Med 53:9–49. doi:10.1002/lsm.23244
- Suozzi KC 2023. Response to commentary on picosecond Nd:YAG laser therapy. JAAD Case Rep 48:1. PMC11070318
- Kim JH, Jung SE, Park YH 2021. Efficacy of a laser with a pulse duration of 300 ps in skin rejuvenation and treatment of pigmentation disorders in Asians: a series of four cases. J Cosmet Laser Ther 23:159–162. doi:10.1080/14764172.2021.2016846
- Liang S, Shang S, Zhang W, Tan A, Zhou B, Mei X, Li L 2023. Comparison of the efficacy and safety of picosecond Nd:YAG laser (1,064 nm), picosecond alexandrite laser (755 nm) and 2% hydroquinone cream in the treatment of melasma. Front Med 10:1132823. doi:10.3389/fmed.2023.1132823
- Zhou Y, Hamblin MR, Wen X 2023. An update on fractional picosecond laser treatment: histology and clinical applications. Lasers Med Sci 38:45. PMC9852188
- Hori nevus treated with 755-nm picosecond alexandrite laser with diffractive lens array. PMC12723271
- Cynosure LLC. US-Patent 7586957, Picosecond laser apparatus and methods for its operation and use. Google Patents
- Cynosure LLC. US-Patent 9028536, Hintergrund zur Komponentenzahl. Justia
- Cynosure LLC. US-Patent 11791603, Q-switched cavity dumped sub-nanosecond laser. Google Patents
- Cynosure. PicoSure Benutzerhandbuch, 850-7012-000DEU, Rev. 10 (technische Daten S. 41–44).
- Candela. Behind the Pulse (Herstellerangaben, Data on file 2020). candelamedical.com
- RP Photonics Encyclopedia, Q switching, Cavity dumping
- US-Patent 5742634, Picosecond laser (Energie modengekoppelter Impulse). USPTO
- FDA, Search the Releasable 510(k) Database. fda.gov
