
Pico vs. Nano Laser: Welcher Laser für die Tattooentfernung?

Pico vs. Nano Laser: Welcher Laser für die Tattooentfernung?
Microblading-Augenbrauen, Lidstrich, Lippenkontur. Permanent Make-up boomt, und damit leider auch oft die Nachfrage nach einer Korrektur. Trends ändern sich, Pigmente verblassen ungleichmäßig, die PMU-Zeichnung passt nicht mehr zum Gesicht. Für Laserologen bedeutet es, dass PMU-Entfernung längst zum festen Bestandteil des Laser-Praxisalltags geworden ist. Nur behandelt man es zu oft wie ein kleines, schwarzes Körper-Tattoo, weil es in den Fachkreisen auch gerne so gesehen wird. Doch das ist ein Fehler, und die aktuelle Literatur liefert einige Gründe dafür, warum.
Warum sich ein Permanent Make-up (PMU) oft anders verhält als eine klassische Tätowierung - nicht nur unter dem Laser
Eine kosmetische Tätowierung bzw. Permanent Make-up unterscheiden sich in 3 Punkten grundlegend von der klassischen Tätowierung. Obwohl sie mit ihrer Dauerhaftigkeit in der Haut ja gleiches Ziel verfolgen.
Die Einstichtiefe und Pigment-Einlagerung in der Haut ist geringer. Microblading Augenbrauen oder feine mit Nadeln pigmentierte PMU-Lidstriche werden als Beispiel in der papillären Dermis, die obere, dünne Schicht der Lederhaut deponiert. Sie liegt direkt unter der Oberhaut (Epidermis). Also deutlich oberflächlicher als professionelle klassische Körper-Tattoos, deren Pigmente bis zu 2mm in der tiefen Dermis gestochen und abgelegt werden.
Aus dem tieferen Einstechen der Tätowiernadeln ergibt sich daher unweigerlich auch mehr Pigment im Stichkanal.
Das erklärt, warum PMU auf den Laser oft schneller anspricht als erwartet, aber auch, warum epidermale Schäden bei zu hoher Laser-Fluenz schneller auftreten können. Absorption und Kavitation finden bei der PMU-Entfernung mit Laserimpulsen oft viel näher an der Hautoberfläche statt.
Die Pigmentzusammensetzung ist komplexer, als der oft kolportierte Satz "PMU ist organisch, Tattoo ist anorganisch" suggeriert.
Richtig ist, dass gerade ältere PMU- als auch Tattoo-Pigmente und vor allem auf den individuellen Hautton abgestimmte Braun-, Rot- und Hautton-Carmouflage häufig nach wie vor klassisch anorganisch sind und von Eisenoxid-Pigmenten dominiert werden können.
Eine koreanische SEM/EDX-Analyse von Jin und Chang (2022) zu PMU-Rot- und -Gelb Tönen fand in der roten Charge gar kubisches Titandioxid (heute wird primär nicht-kubisches Rutil oder Anatas in unserem Metier verwendet) als Hauptbestandteil bei nur vereinzeltem Eisenoxid-Pigment. Während in der gelben Charge umgekehrt stäbchenförmiges Eisenoxid dominierte und nur wenig Titandioxid beigemischt war.
Titandioxid (TiO2/ Pigment-weiss) selbst taucht gefühlt praktisch in jeder Farbabstufung auf. Auch in überwiegend organischen PMU/Tattoo Inks und dann meist als Aufheller.
Bei dunklen farbintensiven Lippen-PMUs kommt nicht selten zusätzlich Carbon Black oder noch Eisenoxid-schwarz als Pigment-schwarz hinzu.
Welches Pigment bei der Laserbehandlung zuerst freigelegt wird, entscheidet nicht eine wie auch immer geartete "dominante" Pigment-Schicht, sondern die selektive Photothermolyse (Anderson und Parrish, 1983). Der Laser trifft primär das Pigment, das bei der gewählten Wellenlänge am stärksten absorbiert. Unabhängig davon, wie es in der Schichtfolge liegt.
Werden zuvor verdeckte Farbtöne nach der ersten Sitzung sichtbar, weil sie bei der gewählten Wellenlänge schlechter absorbieren als das behandelte Pigment, nennt sich das Pigment-Unmasking.
Genau hier liegt als Beispiel eine verbreitete Laser- Praxisfalle bei PMU-Rot. Viele Laserologen greifen reflexartig zu 532 nm, weil Grünlicht als Komplementärfarbe zu Rot besonders effizient absorbiert wird.
Physikalisch und im Gedanken vollkommen richtig, klinisch aber alles andere als harmlos. Diese kurze Wellenlänge 532nm (als auch 694nm Rubin und 755nm Alexandrit-Laser) konkurriert stärker mit epidermalem Melanin. Relevant ist das zudem vor allem bei dunkleren Hauttypen (ab Fitzpatrick III), und trifft bei eisenoxidhaltigem Rot, das bei altem PMU keineswegs selten ist, direkt den Mechanismus, der die klassische paradoxe Verdunklung auslöst. Die Reduktion von dreiwertigem zu zweiwertigem Eisenoxid, Fe2O3 zu FeO, tiefschwarz.
Zur Begrifflichkeit, weil das in der Laser-Praxis oft durcheinander geht:
Chemisch ist das eine Reduktion, keine Oxidation, auch wenn einzelne Publikationen den Begriff uneinheitlich verwenden. In vitro ist diese Farbveränderung oder Verdunklung von eisenoxidhaltigem Pigment (hier Rot) unter Q-switched-Bestrahlung seit dem grundlegenden Bericht von Anderson und Kollegen (1993) reproduzierbar dokumentiert.
Ein analoger, ebenfalls reduktiver Mechanismus betrifft Titandioxid (Ti4+ zu Ti3+), das dem Laser in vielen PMU-Farbabstufung begegnet und dabei nach Grau, Dunkelgrau Graublau bis Schwarz kippen kann.
Bei farbintensiven roten Lippen-PMUs mit Eisenoxid, TiO2 und Carbon Black im Gemisch ist genau das eine plausible Erklärung für die in der Praxis beobachteten Hyperpigmentierungen und Nachdunklungen nach 532-nm-Impulsen. Eisen rostet zum einen sehr gerne in Kombination mit Wasserstoff, Sauerstoff und Laserenergie und wird bräunlich.
Carbon Black selbst zeigt keine oxidationsstufenabhängige Farbchemie, aber der TiO2-Anteil im Pigment-Gemisch kann bei ungünstiger Wellenlänge und Laser-Fluenz reduzieren und nachdunkeln. Im Gesamteindruck erzeugt sich dann eventuell ein Bild einer angeblichen Hyperpigmentierung, die übrigens als Postinflammatorische Hyperpigmentierung (PIH) nach der Laserbehandlung auch noch auftreten kann.
Für diese konkreten Kombinationen haben wir leider noch keine eigenständig publizierte und adäquate Studie finden können. Das ist aber eine aus der TiO2-Chemie plausibel abgeleitete Erklärung, keine eigenständig belegte, und wird daher im Artikel von uns entsprechend vorsichtig formuliert. Grüße an die Tattoo-/Laser-Forscher, falls da jemand nach einem Studien-Thema suchen sollte.
Unser Tipp lautet daher: Immer mit der 1064nm Wellenlänge zu beginnen (auch und vor allen Dingen bei rotem Permanent Make-up), wenn denn eine zur Verfügung steht. Dabei reicht bereits niedrige Fluenz aus, um das PMU von einer Vielzahl von nicht-roten Pigmenten zu befreien. Erst im Anschluss, wenn Pigment-rot größtenteils alleine in der Dermis liegt, folgt die Laserbehandlung mit kürzeren Wellenlängen, wie 532nm.
Was die aktuelle Literatur zur PMU-Entfernung zeigt und wo sie zu kurz greifen könnte
Geisler et al. (Lasers in Medical Science, November 2023) haben 11 Studien mit 129 Patienten zur Augenbrauen-PMU-Entfernung strukturiert ausgewertet. Ihr Kernergebnis lautet, dass Pikosekunden Nd:YAG Laser bei der Entfernung von Augenbrauen-PMU schneller und effektiver sind als Nanosekunden Q-switched Nd:YAG Laser-Systeme.
Bemerkenswert ist, dass das paradoxe Dunkelwerden/ Paradoxical Darkening (Oxidation/ Reduktion), was historisch bisher als die größte Sorge bei Nano-Laserbehandlungen gekennzeichnet ist, bei der Anwendung von Pico-Lasern seltener auftritt. CO2-Laser-Therapien werden hierbei als sinnvolle Ergänzungstherapie von den Studien-Autoren eingeordnet.
Kream et al. (Journal of Clinical and Aesthetic Dermatology, 2023) haben 76 Patientinnen und Patienten (98,7 % Frauen, Fitzpatrick I–VI) mit Lidstrich- und Augenbrauen-PMU retrospektiv (rückblickend) ausgewertet. Im Mittel waren 2,8 Laser-Sitzungen notwendig, mit einer Spanne von 1 bis 12 Behandlungswiederholungen.
Bemerkenswert ist hierbei, dass bei 26,3 % der Fälle nach der ersten Laserbehandlung eine zuvor verdeckte Farbe sichtbar wurde. Überwiegend Rot, Orange, Gelb, seltener Grün oder Blau. Hierbei sollte man vor allen Dingen berücksichtigen, dass braune Tattoo- oder PMU-Ink primär aus den unterschiedlichsten Pigment-Farb-Kombinationen kreiert wird. Als Beispiel aus Gelb, Blau, Rot und Weiss, um nur eine Variante von zahlreichen Nuancen zu nennen.
Schwere Nebenwirkungen wie Narbenbildung, dauerhafter Haarverlust oder Nekrosen wurden derweil von den Studien-Autoren nicht dokumentiert.
Die Holland-Studie aus Leiden (NL)
Poelhekken et al. (Dermatology, April 2026) ist die bislang größte uns bekannte praxisbasierte Erhebung zu diesem Thema. Hier lohnt sich ein genauerer Blick.
Die Laser-Studie befragte 173 niederländische Haut-Therapeuten, von denen 94 aktiv die Laser-Tattooentfernung durchführen. Die mittlerweile oft zitierte Zahl von 8,1 % Komplikationen pro Sitzung ist eine Behandler-Schätzung aus einer retrospektiven Erinnerungsabfrage über 3-Monats-Zeiträume und leider keine patientenbasierte Inzidenzrate. Das steht so auch explizit als Limitation im Paper.
Die häufigsten gemeldeten Komplikationen waren ein Ödem (3,0 %), Blasenbildung (1,9 %) und Hämatom (0,7 %), gefolgt von Hypopigmentierung (0,6 %) und Hyperpigmentierung (0,5 %) als getrennt ausgewiesene Werte.
PMU war in der Auswertung signifikant assoziiert mit Blasenbildung, Hypo- und Hyperpigmentierung, allergischen Reaktionen und, das wird in der bisherigen Berichterstattung zu dieser Studie oft übersehen, mit paradoxem Farbveränderungen.
Ehrlich gesagt, für eine Arbeitsgruppe, die seit Jahren direkten Zugang zu einer der größten europäischen Tattoo-Sprechstunden hat, ist das Ergebnis handwerklich solide, aber wenig ambitioniert aus unserer Sicht.
Praktikerschätzungen statt Patientenkohorten, das ist ein methodischer Rückschritt gegenüber dem, was aus dieser Quelle möglich gewesen wäre. Bemerkenswert ist trotzdem der Studien-Absender. Mitautor der Studie ist Dr. Sebastiaan van der Bent von der Tattoo Clinic Tattoopoli am Alrijne Hospital Leiden (Niederlande). Seine Arbeit und Expertise schätzen wir sehr und wenn unsere eigene Kooperationsgruppe belastbare, aktuelle Zahlen zu PMU-Komplikationen liefert, dann ist das relevanter als jede anonyme Meta-Analyse.
Laser Behandlungs-Protokolle zur PMU-Entfernung aus dieser Literatur
|
Laser-Typ |
Wellen-Länge |
Anwendung |
Energie-Parameter |
|
Pico Nd:YAG |
1064 nm |
schwarz/braun (Augenbrauen, Lidstrich) |
1,5 - 3,0 J/cm², 3 - 6 mm Spot [2] |
|
Pico Nd:YAG |
532 nm |
rot/orange/gelb (nach Unmasking) |
0,7 - 2,0 J/cm², 3,3 - 5,3 mm Spot [2] |
|
Pico Alexandrit |
755 nm |
braun/schwarz FP-Hauttyp I–III |
2,3 - 3,8 J/cm², 2,5 - 4 mm Spot [2] |
|
CO2-fraktioniert |
10.600 nm |
hartnäckige Pigm.-Reste, Narbenkorrektur |
Energie-Parameter: Was unser BiAxis QS PICO Nd:YAG Laser leisten kann
Hier lohnt sich die Unterscheidung zwischen drei verschiedenen Zahlenebenen, die in der Praxis gern durcheinander geworfen werden.
Der Blick gilt dem technischen Leistungsfenster des BiAxis PICO Lasersystems (was die Maschine pro Spotgröße physikalisch liefert), dem klinischen Behandlungsprotokoll für Tätowierungen und Permanent Make-up (die kuratierte, sichere Praxisempfehlung des Herstellers) und dem PMU-spezifischen Zielbereich, der wegen der hier oberflächlicheren Pigmentlage deutlich konservativer ausfällt.
Für die technische Ebene finden Sie hier eine vollständige Min./Max.-Tabelle der Einstellparameter des BiAxis QS PICO Nd:YAG Lasers im normalen "PICO-MODUS" (440ps bei 1064nm, 400 mJ und 360ps bei 532nm, 200mJ) über alle Laser-Spotgrößen (2 - 10 mm) sortiert:
| Laser-Spot | 1064 nm, J/cm² (min-max) | 532 nm, J/cm² (min-max) |
|---|---|---|
| 2 mm | 1,0 - 13,0 | 0,6 - 6,4 |
| 3 mm | 0,4 - 5,7 | 0,3 - 2,8 |
| 4 mm | 0,2 - 3,2 | 0,2 - 1,6 |
| 5 mm | 0,2 - 2,0 | 0,1 - 1,0 |
| 6 mm | 0,1 - 1,4 | 0,07 - 0,7 |
| 7 mm | 0,08 - 1,0 | 0,05 - 0,5 |
| 8 mm | 0,06 - 0,8 | 0,04 - 0,4 |
| 9 mm | 0,05 - 0,6 | 0,03 - 0,3 |
| 10 mm | 0,04 - 0,5 | 0,02 - 0,3 |
Das ist das von HLS festgelegte, begrenzte physikalische Maximum der BiAxis PICO Maschine, nicht die klinische Empfehlung. Unser BiAxis-PICO-Treatment-Guide für klassische PMU-Entfernung und Tattooentfernung bewegt sich innerhalb dieses Fensters deutlich konservativer.
Etwa von 0,3 - 1,8 J/cm² bei 5 mm Spotgröße und Wellenlänge 1064 nm und 0,2 - 1,2 J/cm² bei 4 mm und Wellenlänge 532 nm. Dazu jeweils mit definiertem Endpunkt (Frosting, Erythem und leichter Schwellung).
Wichtig für die Laser-Praxis: Kream et al. (2023) berichten für ihr Patientenkollektiv unter Einsatzes eines PicoPlus/Lutronic-Systems Fluenzen von 0,7 - 2,0 J/cm² bei 3,3 - 5,3 mm Laser-Spotgröße und 532nm Wellenlänge. Das ist keine allgemeine Literaturempfehlung und keine BiAxis-Angabe, sondern die real angewandten Energie-Parameter an einem anderen Herstellersystem.
Übertragen auf den BiAxis PICO liegt diese Obergrenze von 2,0 J/cm² außerhalb des konservativen klinischen Behandlungsprotokolls (siehe oben), ist aber innerhalb des technischen Leistungsfensters der Maschine erreichbar, bei kleinerer Spotgröße (2–3 mm) sogar deutlich überschreitbar (2,8 J/cm² bei 3 mm).
Bei den von Kream et al. genannten größeren Spotgrößen (3,3 - 5,3 mm) liegt die technische BiAxis-Obergrenze dagegen zwischen etwa 1,0 und 2,8 J/cm², der obere Rand ihrer Angabe ist je nach gewählter Spotgröße also erreichbar oder auch nicht.
Für die PMU-Entfernung gilt ohnehin bitte immer im unteren Drittel des klinischen Behandlungsfensters zu beginnen und je nach Reaktion in der Haut nach zu justieren. Das technische Maximum des BiAxis Lasers ist hier keine Zielgröße, sondern eine Reserve für Ausnahmefälle. Mal abgesehen davon, dass es zudem noch ein BiAxis PICO HPT-Modus (High-Power-Treatment, Double-Pulse) Protokoll für extrem hartnäckige Pigmente gäbe UND zudem noch den Fractional-Modus mit Multi-Lens Array (MLA).
Unsere Anmerkung:
Ein nicht unerheblicher Teil von Laserologen und von uns gefundene Literatur arbeiten mit Pikosekunden Alexandrit-Lasern (755 nm), wie dem PicoSure oder neuerem PicoSure Pro System. Die BiAxis-Laser sind reine Nd:YAG/KTP-Laser. Es gehört aber aus unserer Sicht in eine vollständige Marktbetrachtung. Allerdings mit einer wichtigen Einschränkung.
Die kürzere Wellenlänge 755nm vom PicoSure Laser eignet sich vor allem für hellere Hauttypen (Fitzpatrick I–III), da sie stark mit epidermalem Melanin konkurriert. Bei dunkleren Hauttypen (Fitzpatrick IV–VI) steigt bei kurzen Wellenlängen das Risiko für Hyper- und Hypopigmentierung bis hin zur De-Pigmentierung deutlich. Hier ist entweder eine besonders vorsichtige schrittweise Energie-Anpassung gefragt oder der Wechsel auf ein gepulstes Nd:YAG Lasersystem mit 1064 nm vorzuziehen.
Spezielle Risiken bei Permanent Make-up/ PMU- Entfernung mit Laser
Farbparadox: Ursache für Paradoxical Darkening/ Farbumschlag ist häufig die Reduktion von Eisenoxid zu schwarzem Ferrooxid oder von Titandioxid zu dunklem Rutil- oder Anatas-Ursprung, betrifft vor allem eisenoxidhaltige PMU-Pigmente in z.B. Lippen-PMU und Augenbrauen-PMU und ihren 50 + x Farbabstufungen. Die Pico- Laserbehandlung mit einer 1064 nm Wellenlänge fragmentiert das dann dunkle Pigment in der Regel. Allerdings mit mehr Aufwand. Nach Poelhekken et al. ist gerade PMU ein signifikanter Risikofaktor dafür, nicht nur eine anekdotische Beobachtung. Der Laser-Profi kennt das Phänomen aber auch aus dem Bereich der Tattooentfernung.
Pigment-Unmasking: Nach Kream et al. kommt dies bei gut einem Viertel der Fälle vor. Dunkle, kontrastreiche Pigmente werden zuerst abgebaut und eingemischte hellere Pigment- Farben werden sichtbar. Die gezielte Nachbehandlung mit dem KTP 532 nm Wellenlänge adressiert vor allen Dingen Rot- und Orangetöne gut.
Unser lieblings Pigment-Unmusking lautet neben Braun derweil Grün. Oder wenn der Laserologe sich wundert, warum ein grünes Kleeblatt nach der 2. oder 3. Laser-Sessison plötzlich gelb wird. Das ist dann keine Oxidation oder Reduktion, sondern klassische Farblehre: Tattoo-grün = P-blau + P-gelb.
Allergische Reaktionen: Signifikant häufiger bei Permanent Make-up als bei klassischen Körper-Tätowierungen. Am ehesten bedingt durch die häufige Verwendung von roten Pigmenten in Lippen-PMU und Ink-Mischungen für braunes Augenbrauen-PMU.
Allergische Typ-IV-Spätreaktionen (Tage bis Wochen) sind dabei häufiger dokumentiert als seltene Typ-I-Sofortreaktionen (Kontakt-Allergie). Probe- oder Testbehandlung und eine adäquate Anamnese inkl. bekannter Allergien gehören natürlich eh zu jedem Beratungsgespräch und noch vor die erste Laserbehandlung.
Laser-Sicherheit im Gesicht, im und am Auge bei der PMU-Entfernung
Korneale Schutzschalen (Laser Eyeball Shields) sind zwar nicht besonders angenehm zu tragen aber bei Lidstrich-Entfernung mittels Laser obligat.
Normale Laserschutzbrillen oder Patientenschutzbrillen aus Metall reichen derweil nicht aus. Bei zu hoher Fluenz oder unzureichender Schutzschale drohen nicht nur thermische Hornhautverletzungen, sondern wird die Eindringtiefe des Laser-Impulses und Kraft der Licht-Reflexion zu gerne unterschätzt.
Augenbrauen- und Wimpernhaare im Behandlungsfeld können vorübergehend ausbleichen oder abbrechen. Je nach verwendeter Laserlicht-Wellenlänge und Energiedichte kann es zur Karbonisierung kommen, die Haare brechen ab oder der Laser-Impuls einer kurzen Wellenlänge entfernt das Melanin aus den Haaren, was sie kurzzeitig weiß macht. Ein dauerhafter Haarverlust ist in der Literatur u.K.n. nicht dokumentiert.
Vom Einsatz von Lokal-Anästhetikum sind wir selbst kein Freund, wissen aber das es oft angewendet wird, um die Laserbehandlung gerade an solch Schmerz-empfindlichen Stellen im Gesicht angenehmer zu machen.
Der Einsatz von Lidocain/ Prilocain hat aber zwei große Nachteile aus unserer Sicht. Erstens erhält der Laser-Anwender kein adäquates Feedback mehr von seinem Laser-Kunden, ob eventuell zu hohe Laser-Parameter-Einstellungen gewählt worden sein könnten. Und zweitens sehen wir immer häufiger, dass die Wirkung der enthaltenen Vasokonstriktoren zu unschönen Blowout-Effekten führen kann. Beim PMU-Stechen als auch bei der PMU-Entfernung mit Laser.
CO2-Laser als Ergänzung bei der PMU-Entfernung kurz eingeordnet
Ein fraktionierter CO2-Laser kann bei hartnäckigen Pigmentresten nach mehreren Pico Laserbehandlungen oder bei Texturveränderungen nach PMU-Entfernung als Ergänzung dienen.
Tierexperimentelle Daten (Schweinehaut) deuten auf eine beschleunigte Pigment-Clearance bei sequenzieller Anwendung von CO2 und 1540/1570-nm-Lasern hin, klinische Evidenz beim Menschen ist bislang überwiegend Fallserien-Niveau.
Wir selbst sehen den Vorteil primär bei stark vernarbter PMU-pigmentierter Haut durchs Stechen und/oder vor allen Dingen durch Microblading. Der Fractional-Modus des BiAxis QS PICO Nd.YAG Lasers zeigt mit seiner nicht-ablativen Wirkweise allerdings eine ähnlich gut unterstützende Behandlungsvariante. Und das, ohne die Haut so stark zu schädigen, wie die CO2-Laserbehandlung.
Die Frage, wann eine Kombinations-Therapie in diesem Bereich der PMU- oder Tattoo-Entfernung tatsächlich dem Behandlungsergebnis dient, und wann sie vor allem den Geräte-Verkäufer glücklich macht, behandeln wir ausführlich in einem eigenen, kommenden Beitrag, den wir an dieser Stelle verlinken werden.
Häufig gestellte Fragen
Permanent Make-up Entfernung mit Laser
Ein paar kurze und nicht allumfassende Antworten zum Thema PMU-Entfernung:
Quellen, Studien und Evidenzbasis
- Geisler AN, Eber A, Kim K, Arndt KA. Lasers for the treatment of eyebrow microblading and cosmetic tattoo pigment: a review of the literature. Lasers Med Sci. 2023;38:256. https://doi.org/10.1007/s10103-023-03921-z
- Kream E, Jairath N, Bajaj S, Orbuch D, Wang JV, Geronemus RG. Laser removal of eyeliner and eyebrow tattoos: chart review, experiences, and learnings. J Clin Aesthet Dermatol. 2023;16(11):47–49. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38076654/
- Poelhekken M, Velthuis PJ, Tjin EPM, Quant DAK, van der Bent SAS. Practitioner-Reported Complications in Tattoo Removal. Dermatology. 2026;242(4):449–456. https://doi.org/10.1159/000551910
- Jin HS, Chang BS. Analysis of microstructural characteristics and components of red and yellow ink pigments used in permanent makeup. Appl Microsc. 2022;52:5. https://doi.org/10.1186/s42649-022-00072-3
- Anderson RR, Geronemus R, Kilmer SL, Farinelli W, Fitzpatrick RE. Cosmetic tattoo ink darkening: a complication of Q-switched and pulsed-laser treatment. Arch Dermatol. 1993;129(8):1010–1014. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8352605/
- Anderson RR, Parrish JA. Selective photothermolysis: precise microsurgery by selective absorption of pulsed radiation. Science. 1983;220(4596):524–527. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/6836297/
Weitere technische Quellen:
- BiAxis QS PICO Nd:YAG Treatment Guide, HLS Hypertech Laser Systems GmbH, Stand 02/2026
- Min./Max.-Energiedichten-Tabelle BiAxis PICO nach Spotgröße, zusammengestellt von TopSkin und SGMK-Dozentin Agnes Ebnöther, Zürich
zuletzt aktualisiert am 15.09.2026

